PM: Protest gegen Zwangsräumung in Linden-Nord

ZR 201216

Seit etwa einem Jahr wohnte Herr N. in einem ehemaligen Kiosk in Linden-Nord. Im November stand plötzlich ein Gerichtsvollzieher an der Tür und wollte die Wohnung räumen. Es stellte sich heraus, dass Herr N. unwissentlich nicht mit dem Hauseigentümer einen Mietvertrag geschlossen hatte, sondern mit einem anderen Mieter, der seine Zahlungen irgendwann nicht mehr weiterleitete und mittlerweile unauffindbar ist. Diese Umstände führen nun dazu, dass Herr N. vor der Obdachlosigkeit steht. Eine neue Bleibe hat Herr N. bislang nicht finden können. Das ist kein Wunder. Steigende Mieten, die Umwandlung von Miet- zu Eigentumswohnungen und der Abbau von Sozialwohnungen führen auch in Hannover zu einer Angebotssituation, die besonders für Menschen mit geringem Einkommen höchst problematisch ist.

Heute erschienen wieder Gerichtsvollzieher und Vermieter am Haus und wollten einen Räumungstitel vollstrecken. Doch Herr N. war nicht alleine. Nachbar_innen und Aktivist_innen blockierten den Zugang zum Haus und machten ihrem Unmut über die Zwangsräumung Luft. Nachdem auch der Anwalt des Mieters auf noch ausstehende juristische Entscheidungen hinwies, wurde die Zwangsräumung für heute abgesagt.

Die Pressesprecherin des netzwerk_Wohnraum für Alle dazu:
„Nachdem wir bereits im Jahr 2015 in Linden-Mitte auf die Problematik von Zwangsräumungen aufmerksam gemacht haben, möchten wir erneut den Fokus darauf lenken, wie ungleich die Möglichkeiten zur Versorgung mit Wohnraum verteilt sind. Es ist erschreckend zu sehen, wie Menschen aus ihren Wohnungen geräumt werden, ohne sicher zu gehen, dass sie eine neue Bleibe gefunden haben. Die Menschen werden nicht nur aus ihrem sozialen Umfeld gerissen, sondern sogar in die Obdachlosigkeit gedrängt.“

Heute wurde durch die Aktion eine Zwangsräumung in die Öffentlichkeitgebracht. Anstatt einer stillen Räumung gab es lauten Protest. Gemeinsam mit Nachbar_innen, Anwohner_innen und anderen solidarischen Menschen konnten wir, das netzwerk_Wohnraum für Alle, die Zwangsräumung von Herrn N. für den Moment verhindern. Die von vielen Menschen mitgetragene Aktion zeigt auch, dass kein Mensch in diesen Situationen alleine agieren muss. Durch Solidarität und direkte Hilfe in der Nachbarschaft können auch alltägliche Konflikte gemeinsam geführt und die Verhältnisse eines kapitalistischen Wohnungsmarktes hinterfragt werden.


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