In der täglichen Medienberichterstattung lesen wir sehr selten von Zwangsräumungen. Einzig spektakuläre Fälle erregen die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit. Dabei sind Zwangsräumungen keine Einzelfälle. Genaue Zahlen liegen auf Grund fehlender Statistiken nicht vor. Die HAZ schrieb 2013 in einem Artikel von mehr als 700 Zwangsräumungen in Hannover jährlich. Berichtet wird vor allem wenn sich Widerstand regt. Entweder individuell, zum Beispiel wenn sich ein Mieter aus Protest selbst verletzte oder aber, wenn sich Menschen solidarisch mit den Betroffenen zeigen und bei der Abwehr der Räumung unterstützen, wie es zuletzt in Linden- Süd der Fall war, als Aktivist_innen den Eingangsbereich des Hauses für ein gemeinsames Frühstück nutzten. Um eine öffentliche Diskussion zu erreichen muss schon alleine aus diesem Grund interveniert werden.

Zwangsräumungen verhindern!

Zwangsräumungen sind die direkteste und gewaltvollste Form der Verdrängung von Menschen aus ihrem sozialen Umfeld. Mit Hilfe staatlicher Gewalt werden Menschen aus ihren Wohnungen verjagt und marktwirtschaftliche Interessen vor das Grundbedürfnis nach Wohnraum und sozialer Anbindung gestellt.
Einmal mehr wird Recht auf Eigentum und somit die Interessen von Vermieter_innen höher bewertet als das existenzielle Recht auf Wohnraum. Dabei ist die Zwangsräumung nur die offensichtlichste Maßnahme Mieter_innen ihre Wohnungen streitig zu machen. Aufforderungen des Jobcenter, die Mietkosten zu senken, die einem Zwangsumzug gleichkommen, oder die gesetzlich vorgesehene Erhöhung der Wohnungsmiete auf Grund von Modernisierungsabsichten sind Instrumente um eine verwertungsorientierte Wohnraumpolitik durchzusetzen. Auf juristischer Ebene schaffen staatliche Institutionen die Voraussetzung für Zwangsräumungen und setzen diese Mit Hilfe staatlicher Gewalt durch.

Dieser Politik setzen wir unsere Solidarität entgegen. Beispiele in Berlin, Hamburg und Köln zeigen, dass organisierte Solidarität und Aktionen wie Blockaden und Besuche bei Hausverwaltungen öffentlich wirksam sind und bevorstehende Räumungen verhindert oder verzögert werden können. Ebenso wie die verhinderte Zwangsräumung in Linden- Süd im September 2013 stellen diese Aktionen eine Perspektive dar, kapitalistische Wohnraumpolitik in Frage zu stellen und sich gegen die Vertreibung von Mieter_innen aus ihren Wohnungen zur Wehr zu setzen.

Mit der Gründung des „Netzwerk Wohnraum für Alle“ schaffen wir eine Basis um uns zu organisieren und uns der Verdrängung von Menschen aus ihren Wohnungen aktiv entgegenzustellen.

Anmerkung: Unser Selbstverständnis wird aktuell noch diskutiert und mit der Zeit ergänzt und abgeändert.